#2 Monetarisierungsmix und Konversionsoptimierung: Was kommt nach dem TKP?
geschrieben am October 11, 2008 von Florian Bergmann
Jürgen Weickert hat eine Session über Monetarisierungsmodelle und Konversionsoptimierung gehalten. Leider ist das ganze aufgrund der vielen Rückfragen zu einem durchaus recht interessanten (in meinen Augen aber etwas zweifelhaften/gewagtem) Geschäftsmodell zu 40% einer Art Marketing Pitch verkommen. Aber mal rein ins Thema:
Als Betreiber einer Internetseite kennt man das Problem: Besucher sind irgendwie schon da aber die Einnahmen durch Werbung bleiben aus. Klassische Werbeformate wie Banner Ads oder Text Ads (ausgenommen Google Ads) erzielen nicht genügend Umsatz um den Betrieb zu finanzieren. Welche Monetarisierungsformen bieten sich als an?
E-Commerce
Je nach Geschäftsmodell bietet es sich an einen eigenen Webshop einzurichten. Bei einem erwarteten Umsatz von ca. 20 Mrd. Euro in Deutschland (Tendenz steigen) im Jahr 2008 liegt es nahe sich ein Stück vom Kuchen zu nehmen. Dafür sprechen die direkte Monetarisierung und eine individuelle Preisgestaltung (im Vergleich zu Google Adsense z.B.). Logisch, verkaufte Güter bringen im Normalfall einen direkten Gewinn (wenn nicht läuft sowieso irgendwas komplett falsch). Das ganze zieht natürlich auch einen Rattenschwanz an Mehraufwand mit sich: Lagern der Produkte, Warenwirtschaft – eben eine komplette Infrastruktur welche das finanzielle Risiko im Regelfall erhöht. Zu bedenken sind auch eventuelle Abgaben an Kreditinstitute, Logistikunternehmen oder ähnliches für zwangsbedingtes Outsourcing. Dennoch wohl eines der attraktivsten Monetarisierungsmodelle.
Affiliate Marketing
Wer die Zielgruppe seiner eigenen Seite kennt (was ein guter Unternehmer sollte) kann mit passenden Affiliate Partnern sein “Glück” versuchen. Ein großer Vorteil ist der Wegfall der eigenen Infrastruktur. Zwar ist der Verdienst nicht so hoch aber die Vorteile überwiegen: Die Angebote werden ständig von “alleine” aktualisiert und es muss sich kein eigener Mitarbeiter für die Pflege hinsetzten.
Dagegen spricht allerdings dass man den Besucher vom eigenen Angebot weglockt wodurch der Kontakt mit der eigenen Marke abnimmt. Außerdem findet immer ein Imagetransfer statt. Das kann durchaus angenehm sein aber nehmen wir mal an die Ware ist Fehlerhaft oder wurde spät geliefert – trägt sicherlich nicht zur positiven Imagebildung bei. Wie erfolgreich ein Affiliate-Store hängt auch irgendwie vom SEO und Marketing ab. Durch die externen Daten ist das ganze etwas schwerer zu realisieren – die Skalierbarkeit könnte leiden.
Banner Marketing
Das klassische Bannermarketing ist eventuell doch nicht tot. AGOF und IVW denken gerade über neue Vergütungsformen nach – der TKP ist bald ein Relikt der Vergangenheit. Für Banner sprechen unabhängig von der Vergütung die einfache Implementierung sowie die hohe Akzeptanz der Werbeform. Aufgrund der aktuellen aber noch bestehenden TKP Problematik ist die echte Profitabilität der Werbeformen etwas fraglich. Immerhin 976 Mio. Euro Umsatz wurden 2007 in Deutschland mit klassischen Werbemitteln im Internet gemacht.
Donation Box
Diese Art der Monetaresierung ist vor allem bei Opensource Projekten weit verbreitet. Dafür sprich, wie schon bei Banner Ads, die einfache Implementierung sowie die hohe Akzeptanz (die Entwickler von Open Source Anwendungen arbeiten ja oftmals “umsonst”). Leider gibt es keine Zahlen bisher wie erfolgreich das ganze wirklich ist. Außerdem ist man sehr abhängig von der Laune der eigenen Benutzer. Bei Communitys, Blogs und ähnlichem, welche einen sehr liberalen Eindruck machen und sonst wenig andere Werbeformen haben könnten sich eventuell an diesem Werbemittel trotzdem mal probieren.
Wenn du nicht kaufen willst schenken wir es dir…
Ich werde den Punkt mal nur kurz anschneiden und zusammen fassen. Wie gesagt, hierbei geht es um deal united, der Firma bei der Jürgen Weickert beschäftigt ist und durchaus ein interessantes Modell vorzuzeigen hat. Was zunächst etwas paradox wirkt klappt scheinbar wirklich. Wenn ein Käufer das Produkt des Shops X nicht kaufen will bekommt er es geschenkt wenn er in Shop Y etwas kauft. Der Betreiber des Shops Y zahlt das Produkt im Shop X mit – durch Kundenbindung kann er ein Vielfaches erzielen. Interessant ist das ganze vorallem wenn man sich vor Augen hält das 90% der potentiellen Käufer eines Onlineshops die Transaktion abbrechen nachdem die Ware schon im “Einkaufswagen” liegt. Man sprich also Nicht-Käufer an und verdient Geld durch Kundenbindung – das kann zu Rabatten und mehr führen, nicht schlecht eigentlich.
Lokale Ansätze und Sponsored Content
Es gibt noch weitere Ansätze die leider nicht angesprochen wurden. Ads mit lokalem Bezug werden immer wichtiger. Auch personalisierte Werbeformen sind viel versprechende Konzepte. Sponsored Content (“präsentiert von XYZ”, “XYZ Online Tanzkurs” (Redaktionelle Beiträge) oder z.B. Headlines von externen Seiten) sind eine gute Möglichkeit ohne eigenem finanziellem Aufwand Content zu produzieren und mehr noch: Geld zu verdienen. Problematisch ist allerdings die vorgeschriebene Trennung von Inhalt und Werbung in Deutschland – nicht vergessen sonst kann es teuer werden.
Die Mischung macht‘s…
Letztendlich muss jeder seine Seite selbst analysieren und für sich selbst herausfinden was man seinen Benutzern zumuten kann und will. Durch einen Mix der verschiedenen Monetarisierungsmodelle wird man wohl die höchsten Gewinne erzielen. Das bedeutet natürlich auch mehr Arbeit aber üblicherweise verdient man auch mit Arbeit sein Geld…

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