Obama, McCain oder Tom Dickson – Wer wird’s denn nun?
geschrieben am October 31, 2008 von Florian Bergmann
Wahlkampf ist schon so ein martialischer Begriff. Eigentlich gar nicht passend für das Laienschauspiel, dass bei solch einer Veranstaltung betrieben wird. Mal ehrlich: Nach dem letzten TV Duell hat der Klempner Joe bestimmt keine Probleme mehr was seine Auftragslage betrifft. Schließlich kann er jetzt mit “Der Klempner über den die US Präsidenten reden” werben.
Aber besinnen wir uns mal wieder auf den Grundgedanken dieses Blogs: communication 2.0 (buzzword!). Seit dem ersten TV Duell 1956 hat sich kaum was am Prinzip geändert. Man wirft sich 30-90 Minuten lang diverse Themen an den Kopf und versucht seinen Gegenüber mit ein paar schlecht recherchierten bzw. an den Haaren herbeigezogenen Zitaten aus der Reserve zu locken. Aus einem Duell geht scheinbar immer ein Sieger heraus – gekürt von Analysten, Psychologen, Medienexperten oder Politikexperten aus dem eigenen Lager. Freilich kann man auch die Entwicklung der Wahlprognosen beobachten aber so lange man sich bei den eigentlichen Wahlen nicht über deren Richtigkeit sicher sein kann steht deren Glaubwürdigkeit doch in Frage.
Wahlkampf2.0 funktioniert aber anders – Endlich darf jeder selbst seinen eigenen Sieger küren. Nehmen wir mal ein paar Schlagworte aus der Web2.0 Wolke heraus: Partizipation, Kollaboration, Crowd Sourcing, Medienübergreifend, Empfehlungen, Long Tail… Die Liste ist lang aber letztendlich geht es immer darum Massen zu begeistern und mit einzubeziehen. Gute Politik funktioniert ähnlich. Es gibt hierfür auch einige sehr negative Beispiele denn gute Politik hat eigentlich garnichts mit echter Politik zu tun. Mal ehrlich: Wie viele Leute kennen das Wahlprogramm von Obama oder McCain? Im Zweifel gewinnt im Wahllokal immer der Kandidat mit dem besseren Marketing. Eine traurige Wahrheit.
Insgesamt hat Obama nicht nur bei den Prognosen die Nase vorne: Im Internet gibt es zahlreiche Unterstützer. Auf youtube finden sich doppelt so viele Videos zum/über/mit Barack Obama als von seinem Kontrahenten. Bei Twitter ist der sympathische Afroamerikaner ohnehin ein Dauergast in den Trending Topics und auch die Blogosphäre gönnt ihm knapp 3-mal mehr Aufmerksamkeit. Die ganze Welt ist scheinbar gegen John Sydney McCain III. Oder weiß einfach keiner dass der Senator aus Arizona auch zur Wahl steht? Naja, ein paar müssen es schon sein: Nach der aktuellen Wahlkarte auf sueddeutsche.de würden wohl circa 35% der US Bevölkerung für McCain stimmen.
Ich mag es nicht mit Vorurteilen zu argumentieren, aber in diesem Fall ist es nötig: In weniger zivilisierten modernen Staaten (Texas, Kansas, Alaska, Tennesee…) konnte sich der mediale Tsunami von Barrack Obama nicht durchsetzten. Wenn man das als Grundlage nimmt hat McCain ja eigentlich doch die besseren Karten: Er kann ja auch einfach ein paar lustige YouTube Videos machen, ein paar Blogs aufsetzten und vielleicht noch ein kleines Social Network rund um ein Trendthema in den USA aufsetzten. Früher hat das wohl so funktioniert – heute leider nicht. Das Grand der Youtube Videos wurde nicht, wer hätte das gedacht, von Obama oder seinen Wahlkampfstrategen hochgeladen. Hier endet Wahlkampf 1.0 und beginnt Wahlkampf 2.0: Seine Wähler einbinden; eine virale Kampagne ausrufen. Sehen wir uns die Kampagnen der beiden im Detail an:
Partizipation
Bei Obama drückt sich dieser Grundgedanke schon in seinem Wahlkampfslogan aus “Yes we can!”. Er begeistert seine Mengen und löst einen unglaublichen Endorphin und Adrenalinschub auf seinen Auftritten aus. Die Menge ist begeistert und raunt “Yes we can!”. Das “Country first!” von McCain würde in diesem Zusammenhang wohl eher etwas albern wirken. Außerdem ist die Intonation dieses Satzes schon so ausgelegt als würde man den Wähler zu etwas Auffordern und nicht ihn mit einbeziehen.
Kollaboration
Nachdem man die Donation Page beim Besuch der Website von Barack Obama geskipped hat, findet man sich auf einem Web2.0 Paradies: Blogs, Obama TV, myBarackObama, Mediaarchive, Mobile,… Das volle Programm und das auch noch gute umgesetzt. Bei McCain gibt es ebenfalls Videos, es gibt auch einen Login Bereich. Aber insgesamt ist das Ganze nicht wirklich sehr Web2.nullig.
Crowd Sourcing
Crowd Sourcing im Wahlkampf ist natürlich erst mal nicht direkt nachvollziehbar. Der Kerngedanke ist aber: Lass die Anderen für dich arbeiten. Was passiert also: Gruppen in Social Networks werden von Obama Anhängern gegründet, Videos von Privatpersonen produziert, Musiklieder geschrieben, Videos mit Stars von engagierten Prominenten produziert oder Blogs eingerichtet. Offline funktioniert Crowd Sourcing aber auch: Auf der Obama Website wird mit plakativen Slogans wie “MAKE CALLS” oder “KNOCK ON DOORS” dafür geworben auch abseits des WWW aktiv zu werden. McCain ist auf seiner Website eher damit beschäftigt mit Propaganda-Claims wieso man ihn wählen sollte.
Medienübergreifend
Wie gerade erwähnt: Nur Internet, Nur Offline, Nur TV, Nur Radio, Nur Zeitung… das funktioniert nicht. Mr. Obama hat einen Weg gefunden seinen Slogan Crossmedial zu transportieren und die Leute in jedem Medium mit einzubinden. “Yes we Can!” ist zentrales Element in YouTube Videos, Musiktiteln oder einfach als gesprochenes Wort auf Veranstaltungen. McCain ist definitiv ebenfalls in verschiedenen Medien aktiv. Allerdings zieht sich das Konzept hier nicht so gut durch. “Country First!” wirkt primär als Plakat bzw. geschriebenes Wort.
(Persönliche) Empfehlungen
Sie werden leider immer noch sehr unterschätzt. Die Sache ist aber ganz einfach zu erklären: Vertrauenspersonen schenkt man mehr Glauben als someGUY93 oder McCainRulz_. Auf der Seite von McCain ist hier wenigstens dieser Punkt relativ gut umgesetzt worden: “Recruit Friends” schreit ein Button auf der Seite. Wenige Clicks und man hat ein paar Emails ins

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